Sommer der Miniaturen – Übung 8

Übung Acht

Überraschend anders – der besondere Moment Deiner Geschichte

Gewiss, wir wollen den Schluss unserer Miniatur nicht überfrachten. Aber charmant könnte unsere Miniatur dennoch enden. Mit einem Ereignis, das die Lesenden mit einem Lächeln zurücklässt. Das können besonders rührende Gesten, ein unvorhersehbares Verhalten oder das Auftreten einer ungewöhnlichen Konstellation sein. Entdeckst Du die Gemeinsamkeiten? Richtig, das Unerwartete kann in vielen Fällen für einen solchen Effekt sorgen. 

Unser Beispiel für einen ausklingenden Schluss:

Ulli hatte ihren Sohn also richtig eingeschätzt. Der weithin sichtbare Magier hatte den Buben angezogen. Fast magisch eben. Auch wenn es dann der Clown gewesen war, der Sandro so sehr verzauberte, dass er um sich herum alles vergessen hatte. Sichtlich beruhigt, aber weit weniger fokussiert auf die darstellenden Künstler, überlegte Ulli, ob sie dem kleinen Ausreißer ihre eigene, ganz persönliche Darbietung präsentieren sollte. Doch sie entschied sich gegen Vorhaltungen und mahnende Worte darüber, wie sich kleine Kinder auf einer übervollen Piazza zu verhalten hatten. Ihr stand der Sinn nach etwas anderem. Etwas, auf das sie immer mehr Lust bekam, je mehr sie es sich vorstellte. Bevor sie es sich anders überlegen würde, tat sie einen Schritt nach vorn und zog leicht an ihren Hosenbeinen. Noch bevor Sandro seine Mutter bemerken konnte, saß diese plötzlich und ohne einen Ton zu sagen, neben ihm. Im Schneidersitz befand sie sich fast auf Augenhöhe. Der Kleine machte große Augen, die noch größer wurden, als seine Mutter in ruhigem Ton, beiläufig und ohne ihn anzusehen, trocken ihr Kommen kommentierte. „Zaubern? Das kann ich auch.”     

Oft ist es tatsächlich einfacher, Szenen erst einmal in Worte zu fassen und sich dann erst Gedanken über ein mögliches Ende zu machen. Mit einer kleineren Anzahl von Möglichkeiten lässt es sich gerade als Anfängerin leichter kreativ sein. Wer natürlich bereits eine Idee für eine konkrete Geschichte hat oder von einem eigenen Erlebnis erzählen möchte, kann sich ganz auf die Formulierungen konzentrieren.


Hier findest du unsere vorangegangenen Übungen: eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs und sieben


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